Ich weiß ja nicht, ob es euch aufgefallen ist, aber es wird deutlich kühler draußen. An manchen Tagen würde ich die Temperaturen ja sogar schon als kalt bezeichnen. *brrrr* Da sollte man sich schon gscheit anziehen und am Besten setzt man auch eine Haube auf. Das wärmt nicht nur, es ist auch noch total trendy. Tja, dachte ich mir, da ich eh schon auf dem Häkeltrip bin, was liegt näher, als sich so eine hippe Haube selber zu machen. Ich also ins nächste Wollgeschäft und kuschelige Wolle gekauft. Dann zuhaus eine im Vorjahr günstig erstandene (gestrickte) Wollmütze zur Hand genommen, und in der selben Größe (weil die passt ja gut) einen runden Lappen gehäkelt. Okay, rausgekommen ist dabei ein hübsches Barett, das den Liebsten "Oooooh, fransösiiiisch..." in mein Ohr flüstern lies.
So weit, so gut. Nächster Versuch: eine Herrenmütze. Und das wurde aber leider gar nix. Naja, nicht gar nix, aber auch nicht wirklich total zufriedenstellend. Kann ich doch den Liebsten nicht mit so einer Eierschale am Kopf herumrennen lassen. Der soll doch neben mir auch ein bisschen hip aussehen, nicht? Also suche ich so im Internet nach Anleitungen und stelle fest, da gibt's jetzt auch nix Gscheites.
Ja, Strickmuster gibt es. Aber Häkelmuster? Fehlanzeige. Zumindest nichts, was mir so vorschwebt. Ich will weder eine Pudelhaube, noch eine Zipfelmütze häkeln, sondern ich stelle mir da so eine modische Beanie vor. Was ich als Erstes gelernt habe war, dass ich mit dem Suchbegriff "Haube" nicht sehr weit komme, weil das nämlich nur in Österreich so heißt. Im restlichen deutschen Sprachraum ist die Bezeichnung "Mütze" verbreitet. Mit Mütze hab ich allerdings auch nicht viel brauchbares gefunden, bin also in den englischen Sprachraum ausgewichen und habe nach einem "crocheted hat" gesucht. Und dann kommen mir die Amis wieder mit ihren doofen geschriebenen (und noch dazu mit hundert Abkürzungen gespickten) Anleitungen daher, wo ich beim Lesen schon Kopfweh kriege. Na gut, dann eben nicht. Neue Strategie: ich suche mir ein Häkelbuch.
Im Wollgeschäft, wo ich die Wolle gekauft hatte, gab es übrigens nur ein einziges. Das wollte ich nicht. Ich also zum Thalia, um dort ganz relaxt in der DIY-Abteilung im Keller zu schmökern. Denkste! Die Abteilung ist mittlerweile auf ein Mini-Eck ohne Sitzgelegenheit zusammengeschrumpft, weil sich dort der Computer-Store eingenistet hat. Aber so weit bin ich zuerst eh gar nicht gekommen, denn direkt vor dem Eingang stand ein Tisch mit Strick- und Häkelbüchern. Das liegt ja jetzt voll im Trend! Da dran kommt keiner mehr vorbei. Hab ich mir also die Mützen-Bücher so angesehen und irgendwie war da auch nix passendes dabei. Ich wollte ja häkeln, bitte.
Da gab es genau zwei Bücher zur Auswahl:
Das Buch zu den trendigen Mützen der beiden Studenten. Glänzt durch hübsche Bilderchen, das nette Geschichtchen von den beiden Studenten und dürftige Anleitungen. Nein, danke. Und ich brauche auch keinen Mützenkonfigurator auf CD-Rom dazu, für die Farben reicht mein Vorstellungs-vermögen wirklich aus. Die schicke Aufmachung rechtfertigt vielleicht den Preis von € 14,99, der Inhalt jedoch nicht.
Glänzt durch knallige Bilder, knallige Farben, das obligatorische Studenten-Geschichtchen und wenig Inhalt - hier wird nämlich genau ein Grundmodell gezeigt und dieses in verschiedenen Farben gehäkelt. Sehr kreativ. Nicht. Außerdem halte ich den Preis von € 9,99 für ein einziges Modell für überzogen.
Nächster Versuch online. Weil ich beim WB Nachfüllungen für mein Trocknungsgerät im Keller bestellen musste und der Versand mit Buch gratis ist, konnte ich ja praktisch gar nicht anders. Zwei Häkelbücher sind also mit im Warenkorb gelandet. Wurden auch rasch geliefert und tags darauf von mir höchstpersönlich in der nächsten Filiale wieder zurückgegeben. Weil nämlich völlig unbrauchbar!
Sieht von außen ganz gut aus, hält leider nicht, was das Titelbild verspricht, denn drinnen befinden sich hauptsächlich Anleitungen für altbackene Modelle, die die Welt nicht braucht. Und ganz schauderhafte Herrenmodelle! Zumindest gibt es Häkelschriften dazu, was mir aber auch nicht weiterhilft, wenn ich die Mütze hässlich finde. Für ganze zwei brauchbare Modelle waren mir die € 7,90 aber dann doch zu viel.
Dieses Buch hat das vorhergehende noch mal übertrumpft, was altmodische Modelle angeht. Die Kombination aus antiquierten und hässlichen Mützen, die noch dazu so unvorteilhaft auf den Köpfen der Modelle saßen, dass es in den Augen weh tat, ließ mich das Buch augenblicklich zuklappen. Also nein, auch für den Angebotspreis von € 4,99 will ich das nicht haben.
Am Einfachsten wäre es natürlich gewesen, ich hätte mich am kürzlich besuchten
Designmarkt Edelstoff mit meinem Jahresbedarf an Hauben eingedeckt, dort gab es ja genug davon. Von den scheußlichen Farben bei dem einen Anbieter und den überhöhten Preisen bei dem anderen mal abgesehen. Ich könnte mir auch welche bei
Dawanda bestellen, dort gibt es auch genug Angebot. Aber wer will es schon einfach...
Die gute Nachricht zum Schluss: ich habe inzwischen eine Haube
aus dem günstig beim Hofer erstandenen Buch gestrickt - und bin total happy damit. Manchmal muss man Kompromisse machen. In diesem Fall eben stricken statt häkeln. (Foto folgt).