Zur Zeit kann ich bei kaum einem aktuellen Thema mitreden, weil ich schlichtweg uninformiert bin. Der Grund dafür ist eine "Mediendiät". Die hab ich mir verordnet, als mir im April alles zu viel geworden ist. Ich habe schon längere Zeit keinen Fernseher mehr, weil mich das Programm langweilt oder abstößt, oder beides gleichzeitig und weil ich die ständige Bedröhnung mit Werbebotschaften nicht mehr auszuhalten finde. Seit zwei Monaten höre ich auch kein Radio mehr, weil es keinen Sender gibt, der erträgliche Musik spielt, und mich mit Werbung verschont. (Radiowerbung empfand ich schon immer als die gröbste akustische Umweltverschmutzung, sie macht mich regelrecht aggressiv und kann mir, wenn sie mich in der Früh auf nüchternen Magen erwischt, ganz ordentlich den Tag vermiesen). Tageszeitungen lese ich schon ewig keine mehr, weil ich von den ständigen schlechten Nachrichten genug hab und die wirklich wichtigen Informationen auch online kriegen kann.
Und da sind wir beim Thema "online". (Und beim Thema "wirklich wichtig".) Meine Online-Zeiten haben in den letzten Monaten derart überhand genommen (dank meinem Tablet-PC bin ich ja praktisch immer und überall online, außer wenn der Akku ausgeht, aber das ist eine andere Geschichte...), so dass ich meinen Medienkonsum drastisch einschränken musste. Viel zu viel Zeit habe ich damit verbracht, meine Mails zu checken, Blogs zu lesen (mein Reader war ständig überfüllt, weil ich zu viele Blogs abonniert hatte), nach neuen Blogs zu suchen (obwohl der Reader eh schon voll war, aber es hätte mir ja etwas entgehen können), oder meine Twitter-Timeline zu verfolgen. (Zum Glück bin ich weiterhin allen anderen Social-Media-Plattformen - wie etwa dem fürchterlich unnötigen FB - ferngeblieben, wer weiß, wo das am Ende noch hingeführt hätte). Also habe ich dem "Teufel Internet" kurzzeitig sogar ganz abgeschworen und in den letzten paar Wochen hab ich meinen PC sehr selten aufgedreht. Was für eine Entspannung! Es tut so gut, wenn man nicht alles weiß...
Eines jedoch ist mir trotz Mediendiät und Internet-Enthaltsamkeit nicht entgangen, nämlich der Hype um das in der Überschrift erwähnte Buch. Man erzählt mir, dass die deutsche Veröffentlichung in Zeitungen und Zeitschriften aller Qualitätsstufen besprochen worden ist (hierzulande von der Sonntags-Krone bis zur Wiener Zeitung und in allen Frauenzeitschriften sowieso), man schickt mir Links zu den neuesten Artikeln über das Buch, man fragt mich im Freundeskreis ob ich es denn schon gelesen hätte und was ich dazu sagen würde.
Öhm, nö. Ich hab es nicht gelesen. Und ich weiß auch nicht, ob ich es tun werde.
Generell irritiert es mich immer, wenn etwas so derart aggressiv gehypt wird und ich lese schon aus Prinzip nicht die Bücher, die in aller Munde sind und die man gelesen haben "muss", um up to date zu sein. Ich habe weder Harry Potter, noch die Biss-Serie und auch nicht die Panem-Trilogie gelesen. Weil es mich ganz einfach nicht interessiert und weil ich für das Zeug zu alt bin. Der Verzicht auf diese Bücher (und der Verzicht darauf, mitreden zu können), fiel mir also entsprechend leicht.
Nun verhält es sich mit der gegenständlichen Trilogie allerdings ein wenig anders, denn diese fällt - zu doof aber auch - leider genau in mein Beuteschema. Oder zumindest in das, was man dafür halten könnte, wenn man meinen Blog liest und/oder in mein Bücherregal schaut. (Für alle, die es nicht wissen: jede Menge erotische Literatur und dann auch noch von der etwas härteren Sorte.) Mein Beuteschema also, wenn ich mal von dem ausgehe, was ich so nebenbei über das Buch gehört habe.
Weil ich mir nämlich nicht sicher bin, ob ich das Zeug lesen will, habe ich keinen der Artikel gelesen, die mir per Link geschickt worden sind, habe keine der (gestern bereits über 130) Amazon-Rezensionen gelesen und ich hab auch keine Ahnung, welche meiner Blogger-Kolleginnen das Buch bereits gelesen/besprochen hat und ob es gefällt oder nicht. Ich will - falls ich es lese - so unvoreingenommen wie möglich dran gehen. Ich mache ganz einfach Augen und Ohren zu. Und überlege derweil, ob ich mir eine eigene Meinung dazu bilden will. Soll ich das Ding lesen, das ja angeblich recht grottig geschrieben sein soll, und meine Zeit damit verschwenden, nur damit ich mitreden kann? Muss ich denn überhaupt mitreden?
Im Freundeskreis wird diskutiert, wie ein solches Buch überhaupt zu einem Bestseller werden kann. Tja, geschicktes Marketing, tät ich mal sagen. Da ist einerseits das Twilight-Fahrwasser, in dem immer wieder versucht wird, Segel zu setzen. Andererseits des Tabu-Thema BDSM. (Gerade bin ich beim Blättern im schwarzen Notizbuch über meine Leseliste 2009 gestolpert, die - ähem - sehr BDSM-lastig war...) Ich lese ja schon recht lange erotische Literatur und das was noch vor 15 Jahren auf den Index kam, das wird heutzutage - überspitzt gesagt - schon verfilmt und im Nachmittagsprogramm gezeigt, kein Wunder also, dass früher oder später auch SM und/oder Unterwerfungsfantasien von Frauen zum salonfähigen Thema werden, weil alles andere war ja schon da und es muss immer eine Steigerung geben, um damit noch aufzufallen, um damit noch einen Skandal oder zumindest einen Medienrummel im Sommerloch provozieren zu können.
Aber ein Medienrummel sagt halt leider so gar nichts über die Qualität eines Buches aus. Nur weil es durch geschicktes Marketing zu einem Bestseller gemacht wird, heißt ja noch lange nicht, dass es auch gut ist. Offensichtlich verkauft es sich. Es spricht (oder schreibt) zwar jeder drüber, aber lesen es die Leute auch? Und muss ICH es wirklich lesen?
Als das Buch in den USA zu einem Überraschungserfolg geworden ist, ist es mir auf diversen englischsprachigen Bücherblogs begegnet, die ich zu der Zeit noch massenhaft gelesen habe. Die Meinungen waren geteilt, es fanden sich zahlreiche Verrisse und die Tatsache, dass das Buch als Twilight-Fanfiction entstanden ist, hat mich ehrlich gesagt eher abgeschreckt. Der widerliche Medienhype, der jetzt um die kürzlich erschienene deutschsprachige Ausgabe gemacht wird, hält mich zusätzlich vom Lesen ab.
Aber dann wäre da natürlich noch die sprichwörtliche Neugier des Zwillings. (Mein Blog heißt zwar nicht mehr "Zwillingsleiden", aber die Neugier ist ja trotzdem noch da...). Natürlich wäre es ein Leichtes, das ebook herunterzuladen, innerhalb von Sekunden könnte ich es lesen, für schlappe 10 Euro... Kaufen will ich mir das Buch aber nicht, weil ich den Hype nicht unterstützen will. Ich bin hin und her gerissen zwischen Neugier und Ablehnung.
Ich könnte mich zum
Bücherschrank am Margaretenplatz stellen und drauf warten, dass irgendjemand es einstellt, weil er den Schrott nicht zuhause stehen haben will. (Natürlich weiß ich nicht, ob es wirklich Schrott ist, dafür müsste ich es ja lesen...). Die Chance, dass das passiert und dass ich gerade zur rechten Zeit komme, um es mir zu schnappen, ist denkbar gering. Außer vielleicht... Bingo! Da hatte ich die zündende Idee! Ich kaufe das Buch als Geschenk für meine Freundin! Die stellt nämlich alle Bücher, die sie nicht mehr haben will dort rein, und wenn sie Bücher hat, von denen sie glaubt, die würden mich interessieren, dann stellt sie sie in den Schrank, wenn ich dabei bin und ich nehm sie mir gleich wieder raus. Da traf es sich ja gut, dass die liebe Freundin gerade Geburtstag hatte...
Ich mach mich also auf den Weg in eine ziemlich große Buchhandlung, schlendere dort mal unschuldig herum und halte nach dem Buch Ausschau. Endlich finde ich einen runden Tisch auf dem es präsentiert wird. Auf den zweiten Blick stellt sich allerdings heraus, dass es sich um die englische Originalausgabe handelt. Drumherum hatten die Verkäufer weitere, zum Thema passende, Bücher drapiert. (Leider eine wirklich schlechte Auswahl...). Bloß das fragliche Buch auf Deutsch war nicht da. Hmm...
Ausverkauft! Die Verkäuferin schüttelt nur den Kopf. Das Buch wird gekauft wie blöd - so die Auskunft - und jeder dritte Kunde, der sie anspricht, fragt nach diesem Buch! (Gratulation an die Marketing-Abteilung!) Neue Lieferung kommt erst nächste Woche, bitte um Geduld. Ich sag nur: "Ich wollte es eh nicht für mich kaufen, wär ein Geschenk gewesen" und lache verschwörerisch. Die Verkäuferin lacht ebenfalls, diese "Ausrede" hat sie wohl auch schon öfter gehört.
Ich könnte jetzt noch ewig zu dem Thema weiterschreiben, obwohl ich das Buch nicht mal gelesen habe! Ich könnte Buchtipps geben... ich könnte die Frage erörtern, ob es sich um Hausfrauenporno handelt und was das überhaupt ist... ich könnte die Frage erörtern, warum ein - angeblich!, denn ich weiß es ja nicht sicher - schlecht geschriebenes und klischeeüberladenes 08/15-Aschenputtel-Remake zum Bestseller gehypt wird, wo es doch viele wirklich gute Bücher da draußen gibt, die leider kaum Beachtung finden...
...to be continued...
Sollte irgendjemand bis hierher gelesen haben und wider Erwarten nicht wissen, von welchem Buch ich da geredet habe, bitteschön:
E.L. James: Shades of Grey - Geheimes Verlangen (Teil 1 einer Trilogie)
in Papierform -
für den ebook-Reader (Links zu amazon).