Mittwoch, 29. Februar 2012

Café Uranus - Relaunch

Heute ist ein besonderer Tag. Das heutige Datum gibt es nur alle vier Jahre. Der 29. Februar ist der sogenannte Schalttag. Aber nicht nur:
Heute vor vier Jahren, also am 29. Februar 2008,  habe ich meinen ersten Blog gestartet. 
Das Café Uranus war ein zweisprachiger Blog, in dem ich astrologische Artikel auf deutsch und englisch gebloggt habe. Später sind ein paar (noch recht unausgereifte) Buchrezensionen dazugekommen, die ich parallel dazu auf Amazon veröffentlicht habe. Das Schreiben von astrologischen Artikeln ist mir irgendwann jedoch zu zeitaufwändig geworden, vor allem weil ich nebenher einen (mittlerweile gelöschten) Zweitblog betrieben habe, über den ich meine ausgemusterten Bücher verkauft habe. 
Ich war hin und her gerissen zwischen meiner Liebe zur Astrologie und meiner Liebe zu Büchern - der Bücherverkauf hat Spaß gemacht, aber auch wahnsinnig viel Zeit verschlungen - und 2009 habe ich dann auch wieder begonnen, mehr Romane zu lesen als (astrologische) Fachbücher. Diese Romane wollte ich auch rezensieren, doch Amazon ist mir bald zu banane geworden, deshalb habe ich beschlossen, die Rezensionen nur mehr auf meinem Blog zu veröffentlichen. Anfang 2010 habe ich also meinen Blog Zwillingsleiden ins Leben gerufen, auf dem es fortan (fast) nur mehr um Bücher ging. 
Nun ist aber eines der "Zwillingsleiden" eben, dass der Zwilling öfter mal was Neues braucht, eine Veränderung - und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich nicht mehr als Bücherblog einordnen lassen wollte. Seit Ende vorigen Jahres blogge ich auch fallweise über andere Themen, außerdem hat sich in meinem Privatleben enorm viel verändert und weil Uranus u.a. der Planet der Veränderungen ist, habe ich beschlossen, meinen alten Blognamen wieder anzunehmen.

Mein Blog wird also ab heute wieder
 Café Uranus 
heißen,
 bekommt zum Start ins 5. Jahr eine eigene Domain 
und ist nun auch unter der Adresse
erreichbar.


Montag, 27. Februar 2012

[ausgelesen] Ferien im Koma

Roman
Autor: Frédéric Beigbeder
Verlag: rowohlt paperback, 2002, 159 Seiten
OT: "Vacances dans le coma" (1994)

im Offenen Bücherschrank gefunden
vergriffen, gebraucht erhältlich, zB. bei Amazon


Von der Buchrückseite:
"Das Klo" - so heißt der neue Club, der sich mitten in Paris in Form einer gigantischen Toilette erhebt. Mit einem rauschenden Fest wird die Eröffnung begangen, und Gesellschaftskolumnist Marc Marronnier ist mit dabei, als die Crème de la crème sich zu einer orgiastischen Selbstfeier versammelt, die alle Grenzen sprengt.
Topmodels von gestern und morgen, geliftete Gesichter, Dandys und Rich Kids drängen sich auf der Tanzfläche. In den Toiletten fallen die Hüllen, und die bunten Pillen werden händeweise eingeworfen. Mit jeder Stunde wird deutlicher, was hinter der Fassade der Fun-Society steckt, und zum Schluss fließt Blut. Ausgerechnet hier begibt sich Marc auf die Suche nach der romantischen Liebe. Im Morgengrauen findet er sie, wo er sie am wenigsten erwartet.

Meine Meinung:
Das Buch ist der zweite Teil der "Marc Marronnier-Trilogie" und ich habe es zufällig im Offenen Bücherschrank in der Zieglergasse gefunden. Den ersten Teil Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause habe ich nicht gelesen, ich erachte es aber auch nicht für zwingend nötig, da die in diesem Buch erzählte Story lediglich eine einzige Nacht im Leben von Marc Marronnier umfasst und meiner Meinung nach auch für sich alleine stehen kann. Der dritte Teil der Trilogie heißt Die Liebe währt drei Jahre, alle drei Bücher sind gemeinsam auch unter dem deutschen Titel Die wilden Jahre erschienen.
Frédéric Beigbeder ist ja mit seinem konsumkritischen Roman Neuunddreißigneunzig 39,90 - der auch verfilmt worden ist - international bekanntgeworden, sein Name war mir ein Begriff, gelesen hatte ich bisher jedoch nichts von ihm, also habe ich das Buch gerne mitgenommen. Und ich hatte es auch relativ rasch ausgelesen, weil es einerseits ja nicht besonders umfangreich ist und andererseits flott geschrieben und durchaus unterhaltsam. Ziemlich kluge Sätze wechseln sich mit ziemlich bizarren Szenen ab, ein Haufen schräger Charaktere gibt sich eine Nacht lang Alkohol, Drogen und Sex bis zum Umfallen. Dazwischen wird randaliert und (keine) Revolution gemacht, Gesellschaftskritik geübt, gekotzt und weitergesoffen. Am Ende ist sich keiner sicher - auch der Leser nicht - was in dieser Nacht wirklich passiert ist und was nicht.
Persönlich interessant fand ich die kurz angedeutete Systemkritik. Immerhin ist der Originaltext schon beinahe zwanzig Jahre alt, wir sind inzwischen noch viel weiter am Abgrund als damals, aber ein Umdenken hat noch immer nicht eingesetzt. Und das, obwohl sich schlaue Köpfe auch damals schon Gedanken gemacht haben...

Fazit:
Nicht schlecht! Sprachlich interessant und unterhaltsam. Hat mich neugierig auf weitere Bücher des Autors gemacht.

Samstag, 25. Februar 2012

[Wien literarisch] Wortschatz Margareten - Update #7

Was für eine Katastrophe! Der Kasten ist kaputt! Die Tür ist aus den Angeln gebrochen und lehnt mit zerbrochener Scheibe vor dem Kasten. 
Ein "Unfall"? Vandalismus? Vielleicht ein Sturmschaden? Wer weiß... 
Der Zustand ist auf jeden Fall seit Donnerstag nachmittag so, wie ich aus vertrauenswürdiger Quelle weiß, aber anscheinend kümmert sich niemand um eine Reparatur. 
Als ich heute kurz nach Mittag am Margaretenplatz vorbeikam, war außerdem gerade jemand vor mir da, der den Kasten mit tollen Büchern angefüllt hat. Und das, wo sie für morgen Regen angesagt haben! 
Ich habe mal vorsorglich vier Bücher vor dem drohenden Unheil gerettet und hoffe, dass sich noch ein paar Bücherfreunde finden werden, bevor der Regen kommt.
Und vielleicht findet sich ja auch jemand, der eine Rolle Plastik übrig hat, um den Kasten wenigstens notdürftig abzudecken...


Freitag, 24. Februar 2012

gebrauchte Bücher loswerden #8

Der Ankaufsplattformen-Test geht weiter...

Die Vorgeschichte:
Ich habe im November ein paar Bücher ausgemistet, dann bis Jänner mehrfach die Preise geprüft, die ich bei den Ankaufsplattformen buchmaxe.at und rebuy.at dafür bekommen würde. Im Jänner sind auch noch ein paar weitere ausgemistete Bücher dazugekommen und so habe ich versucht, die Bücher zwischen buchmaxe und rebuy hin und her zu schieben, so dass für mich am meisten dabei rausspringt. Das hat sich aber als ein bisschen mühsam erwiesen, bei buchmaxe gibt es ja eine Mindestabnahmemenge von 25 Büchern und bei rebuy eine Mindestankaufssumme von 30 Euro. Im Großen und Ganzen habe ich das alles HIER schon erzählt. 

Die Überlegungen:
Ich hätte also das buchmaxe-Paket mit einer Menge Romane auffüllen müssen, um die 25 Stück zu erreichen. Bloß für die Romane gibt es nicht viel Geld und es widerstrebt mir persönlich sehr, einen Roman in sehr gutem Zustand für 5 Cent zu verkaufen, nur weil er schon über ein Jahr alt ist. Weshalb ich mich dafür entschieden habe, diese Bücher lieber gleich bei bookcrossing zu registrieren und in den offenen Bücherschrank zu stellen.
Als ich Mitte Jänner die Bücher noch immer nicht verkauft hatte, habe ich die Preise nochmals geprüft und siehe da: für eines der Astrobücher gab es plötzlich ziemlich viel Geld bei rebuy.at. Juchu! Immerhin über 8 Euro für ein einzelnes Buch. Nicht schlecht, dachte ich  mir, schau ich doch gleich mal, was ich sonst noch an Astrobüchern im Regal habe, die ich nicht mehr brauche. (Und manchmal lohnt es sich ja doch auch, wenn man ein bisschen wartet...)

Die Entscheidung:
Der langen Rede kurzer Sinn: Am Ende sah es dann so aus, dass ich die 30 Euro Mindestankaufssumme von rebuy.at mit 8 Büchern erreicht hatte, und den Verkauf dort realisierte. An buchmaxe habe ich nichts verkauft, weil ich keine 25 Bücher finden konnte, für die ich einen für mich halbwegs vertretbaren Preis lukrieren konnte. Wie schon oben erwähnt, will ich keine Bücher für Cent-Preise verkaufen, dafür sind sie mir zu schade und das ist auch ganz einfach den Aufwand nicht wert, da verschenke ich sie lieber.

Die Abwicklung
ging bei rebuy.at ganz einfach: Bücher per ISBN eingeben und Verkauf bestätigen. Nach dem Ausfüllen eines online-Formulars (E-Mail-Adresse, Kontonummer) bekommt man innerhalb weniger Minuten eine Verkaufsbestätigung per Mail, sowie eine Packliste und einen Aufgabeschein.
Dann heißt es eine geeignete Schachtel finden, die Bücher schön einpacken, die Packliste ausdrucken und ins Paket legen, den Aufgabeschein oben drauf picken und ab damit zum Postamt. (Dafür hat man sogar 14 Tage Zeit, nachdem der Verkauf fixiert worden ist - solange werden die Preise garantiert.)
Am 21. Jänner habe ich das Paket in Wien aufgegeben (das ging von dort an ein Postlager in Linz und dann weiter nach Berlin) und am 30. Jänner in aller Früh habe ich per E-Mail die Empfangsbestätigung erhalten. (Das hört sich jetzt lang an, tatsächlich waren es aber nur 5 Werktage.)
Die Bücher werden dann geprüft. Das hat in meinem Fall nicht mehr als 10 Minuten in Anspruch genommen, denn dann habe ich bereits das nächste Mail erhalten, in dem der Ankauf bestätigt worden ist. Zwei Tage später, am 1. Februar hatte ich das Geld auf meinem Konto! 

Fazit:
Ich kann das Ankaufsservice von rebuy.at auf jeden Fall empfehlen. Es läuft alles sehr korrekt ab und geht auch noch schnell. (Wenn man nicht so lange herumtut wie ich vorher, eh klar.)

Hinweis:
Es werden (von allen Plattformen) nur Bücher in gutem Zustand angekauft. Um euch Enttäuschungen (und Zusatzkosten) zu ersparen, rate ich euch, den Zustand eurer Bücher selber nach sehr strengen Maßstäben zu bewerten. Wenn die Bücher nicht angenommen werden sollten, muss man das Rückporto nämlich selber zahlen.
Packt die Bücher außerdem gut ein, damit sie nicht beim Transport beschädigt werden können. Bücher in ein Plastiksackerl stecken oder mit Frischhaltefolie umwickeln - und dann kann das Paket auch nass werden außen, ohne dass den Büchern was passiert.

Mehr zum Thema "Bücher verkaufen oder tauschen" findet ihr HIER.

Donnerstag, 23. Februar 2012

gebrauchte Bücher loswerden #7

Den ersten Teil über meine Erfahrung mit den Ankaufsplattformen findet ihr HIER.
Von den ca. 60 im November aussortierten Büchern sind etwa 30 übriggeblieben, für die ich bei einer der Online-Plattformen ein wenig Geld bekommen würde.
25 Stück davon habe ich für einen Vergleichstest ausgewählt. Dabei handelt es sich um 7 Romane und 18 Sachbücher, hauptsächlich aus dem astrologischen und populärpsychologischen Bereich.
Als Erstes fällt also schon mal auf: mit Unterhaltungsliteratur ist bei den Ankaufsplattformen kein Geld zu machen. (Gut, das ist für mich jetzt nicht unbedingt neu, denn dieselbe Erfahrung habe ich auch schon mit dem Gebrauchtbuch-Verkauf über meinen Blog und über booklooker gemacht.) Sachbücher gehen hingegen gut und für die gibt es auch ein bisschen mehr Geld. (Dass die Beträge jedoch trotzdem in keiner Relation zum Neupreis stehen, vergessen wir mal gleich lieber, sonst wird es wieder frustrierend.)

Es gibt 3 Ankaufsplattformen, die Bücher aus Österreich ankaufen und unter bestimmten Voraussetzungen die Versandkosten übernehmen:
buchmaxe.at - übernimmt die Versandkosten ab einer Mindestanzahl von 25 Büchern
rebuy.at - übernimmt die Versandkosten ab einem Mindestankaufswert von 30 Euro
momox.at - übernimmt die Versandkosten ab einem Mindestankaufwert von 10 Euro
(Dass momox auch eine Österreich-Plattform betreibt, weiß ich erst seit kurzem - vielen Dank für den Hinweis an die liebe Momoko - deshalb ist momox in dieser Testrunde nicht berücksichtigt worden.)


Erster Test am 25. November:
Bei buchmaxe.at würde ich insgesamt € 38,50 für die 25 Bücher bekommen. Die Einzelpreise liegen zwischen  30 Cent und € 5,38.
Bei rebuy.at würde ich insgesamt € 26,93 für 20 Bücher bekommen. 5 Bücher aus der Liste werden nicht angekauft. Die Einzelpreise liegen zwischen 5 Cent und € 5,52. (rebuy.at würde jedoch die Versandkosten nicht übernehmen, weil ich die erforderlichen 30 Euro Mindestankaufssumme nicht erreiche).

Aus verschiedenen Gründen habe ich den Verkauf der Bücher immer wieder verschoben, also war ich am 26. Dezember noch immer im Besitz der Bücher. Ich hab also noch einmal die Preise überprüft, die sich inzwischen - teilweise gravierend - geändert hatten.

Zweiter Test am 26. Dezember:
Bei buchmaxe.at würde ich nun insgesamt € 35,89 für die 25 Bücher bekommen. Die Einzelpreise liegen zwischen  30 Cent und € 4,20.
Bei rebuy.at würde ich insgesamt € 28,79 für 23 Bücher bekommen. Die Einzelpreise liegen zwischen 5 Cent und € 4,50. Es werden zwar inzwischen 3 der Bücher angekauft, die noch im November abgelehnt worden sind, jedoch erreiche ich noch immer nicht die Mindestankaufssumme.

Zum Vergleich habe ich über werzahltmehr.de die Höchstpreise ermittelt, die ich für die Bücher erhalten könnte. Das wären insgesamt immerhin € 62,43.
Das ist jedoch leider kein realer Wert, denn die Höchst-Preise stammen von 5 verschiedenen Plattformen und ich habe nicht überprüft, ob und zu welchen Konditionen diese auch einzelne Bücher ankaufen würden. Außerdem bin ich ja aus Österreich, und da wird die Sache wieder mal schwierig bis unmöglich, bzw. immens teuer, wie wir wissen.

Zur Ernüchterung eine kleine Gegenüberstellung:
Der Neupreis der 25 Bücher hat insgesamt € 324,31 betragen. Es sind bei einer gemischten Auswahl an Sach- und Unterhaltungsliteratur also kaum mehr als 10% drin, die man durch den Verkauf an die Ankaufsplattformen zurückbekommen kann. Einzelne Bücher bilden immer wieder eine Ausnahme, aber für den Großteil der Bücher gibt es lediglich Beträge im Cent-Bereich.

Wie ging's dann weiter?
Wie ihr euch vielleicht denken könnt, habe ich die Bücher nach der zweiten Preisermittlungs-Runde wieder im Karton liegen lassen. Beinahe einen Monat später habe ich mich dann zu einer endgültigen Entscheidung durchgerungen. Aber das erzähl ich euch im nächsten Teil der Serie...


Weitere Posts zum Thema "Bücher tauschen und verkaufen" findet ihr HIER.

Sonntag, 19. Februar 2012

[Wien literarisch] Offener Bücherschrank Neubau

Ein leicht verregneter Sonntagsspaziergang hat uns zum Offenen Bücherschrank im siebten Bezirk (Zieglergasse/Ecke Westbahnstraße) geführt. Dieser war der erste Offene Bücherschrank in Wien (Infos dazu gibt es HIER nachzulesen) und wurde erst kürzlich durch einen neuen Kasten ersetzt, dessen Seitenflächen vom Künstler Hermann Nitsch gestaltet worden sind. Der Schrank war gut gefüllt, wie man sehen kann, und wir haben auch ein paar interessante Bücher für uns gefunden.


Donnerstag, 16. Februar 2012

Dienstag, 14. Februar 2012

[ausgelesen] #incommunicado

Roman 
indiebook, erschienen im Februar 2012
zum Gratisdownload unter Creative Commons License
als PDF, epub, mobi - hier entlang!
gelesen als epub auf meinem Galaxy Tab






Über das Buch:
Ende November vorigen Jahres hat Michel Reimon in seinem Blog von seinem Romanmanuskript erzählt, an dem er mehrere Jahre gearbeitet hat. Er wollte es selbst veröffentlichen, weil er von Verlagen nur Absagen bekommen hat, mit der Begründung, dass sich Bücher von Politikern - Reimon ist Landtagsabgeordneter für die Grünen im Burgenland - nur schlecht verkaufen würden. Und Romane von Politikern schon mal gar nicht. Nun hat er seinen Roman als Gratis-Download zur Verfügung gestellt.
Eine Rockband wird von einem Musikkonzern wegen einer obskuren Copyright-Verletzung geklagt und wehrt sich dagegen, indem sie an die Öffentlichkeit geht und ihre Konzerte in Proteste verwandelt. Ein Bandmitglied bloggt und erklärt in diesem Blog die Geschichte des Copyrights und warum das politisch wichtig für uns alle ist.
(Quelle: michelreimon)


Mein Eindruck:
Wow! Ich bin begeistert! Michel Reimon hat hier eine total spannende Geschichte erzählt und der Inhalt ist aktueller denn je. Die Story entwickelt sich sehr rasch und ist durch und durch glaubhaft dargestellt. Im Hinblick auf die Geschehnisse der vergangenen Monate, und was noch alles auf uns zukommen könnte/wird, ist Reimons Roman von unglaublicher Brisanz und gerade jetzt die passende Lektüre.
Der (namenlose) Ich-Erzähler, ein Musikjournalist, nimmt Urlaub um einen Roman zu schreiben, stattdessen lernt er jedoch die Mitglieder einer Band kennen, die mit einem roten Stockbus durch ganz Europa tingeln. Da er sich auf den ersten Blick in die Sängerin verliebt hat, überlegt er nicht lange, als man ihm anbietet, den gerade aus der Band geworfenen Gitarristen zu ersetzen und die Band zu begleiten.
In einigen Rückblenden erfährt man von seinem Verhältnis zu seinem Cousin Max, der mit ihm aufgewachsen ist. Als Max, der in der Musikindustrie arbeitet, sich mit seiner neuen Geschäftsidee brüstet, ahnt er noch nicht, was das alles nach sich ziehen wird, doch bald überschlagen sich die Ereignisse, bis die Situation völlig eskaliert.
Reimon treibt die Story ziemlich schnell voran, er hält sich nicht mit unnötigen Beschreibungen auf, er erzählt nicht lang und breit, er lässt seine Figuren sprechen und handeln und erweckt sie so zum Leben, und das macht er richtig gut. ("Show, don't tell" - der Reimon kann das!) Das rasante Erzähltempo und die Sprache sind stimmig, auch wenn sich ein paar Mal ein nicht ganz astreiner Ausdruck eingeschlichen hat ("die Tochter des Wirten" z.B.). 
Dazwischen gibt es immer wieder - gut eingeflochten - zahlreiche Informationen zum Thema Urheberrecht und Copyright und wie es sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Reimon erklärt unter anderem was der Buchdruck damit zu tun hat, die klassischen Komponisten und George Harrison. Er erzählt wie für Mickey Mouse ein Gesetz verändert worden ist und wie wir alle von den Massenmedien und der Unterhaltungsindustrie manipuliert werden. (Für mich jetzt zwar nichts Neues, aber es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, die Menschheit kapiert es ja leider immer noch nicht.) Diese Infoteile sind immer sehr gut in die Storyline integriert, lediglich ein-zweimal wurde mir das zu langatmig, weil ich lieber wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht. Das spricht auf jeden Fall für die Story, denn die war richtig gut, obwohl die Spannung zum Schluss ein wenig einknickt. (Das könnte aber auch daran liegen, dass ich beim Ende mehrfach unterbrochen worden bin und dass einer auf Twitter etwas gespoilert hat, auf das ich dann die ganze Zeit gewartet habe. Sehr ärgerlich, sowas.)
Zu den wirklich interessanten und (meist) kurzweilig geschriebenen Infoteilen muss ich aber auch einen Kritikpunkt anbringen: es gibt keinerlei Quellenangaben. Selbstverständlich ist der Roman Fiktion, aber es werden doch sehr sehr viele (historische) Fakten hineinverwoben, und da wäre es schon ganz gut gewesen, wenn diese auch belegt worden wären.
Die Entscheidung des Autors, das Buch kostenlos zur Verfügung zu stellen, halte ich übrigens für äußerst konsequent und passt perfekt zur Aussage des Buches. Allerdings: dieses Buch hätte ich wirklich gerne auf Papier und ich würde auch gerne etwas bezahlen dafür! 

Fazit:
Fesselnde Story + brandaktuelles Thema + gut aufbereiteter Infogehalt = unbedingte Leseempfehlung! Und das alles außerdem zum Gratisdownload. Sollte Darf man sich echt nicht entgehen lassen.

Sonntag, 12. Februar 2012

Woran niemand mehr geglaubt hat...

Zwei Dinge sind passiert, an die niemand mehr so recht geglaubt hat, am allerwenigsten ich: nach langer Zeit habe ich endlich wieder mal ein Buch ausgelesen und seit gestern habe ich auch ein Bücherregal.
Ich weiß gar nicht, wie viele Bücher ich in den letzten Monaten angelesen habe, bei denen ich kaum über 50-100 Seiten weit gekommen bin, bevor sie mich gelangweilt haben, sicher so an die zwanzig, und in mindestens weitere zwanzig (wenn nicht mehr), habe ich kurz reingelesen, aber auch die konnten mich nicht fesseln. Leseflaute. Völlig klar. Ich war nicht mal daran interessiert, die neuesten Bücher meiner Lieblingsautorinnen zu lesen. Das soll mal was heißen.
"Schuld" dran war zum einen die drastische (und selbst herbeigeführte) Änderung meiner Lebensumstände, die mich ziemlich beschäftigt und in Atem gehalten hat (und das auch noch immer tut). Und zum anderen ziemlich sicher das verflixte Galaxy Tab, das ich seit neun Monaten immer mit mir herumschleppe. Seitdem hab ich auch kaum mehr ein Buch in der Handtasche, schließlich kann ich ja auf dem Galaxy ebooks lesen und ich hab auch genug drauf. Was aber nicht heißt, dass ich die auch gelesen hätte. Stattdessen war ich nämlich lieber ständig online. Hab unterwegs E-Mails gelesen anstatt Bücher. Und Blogs. Und meine Twitter-Timeline. Ich wußte es ja. Das Zeug macht süchtig! Kürzlich will irgendeine Studie sogar festgestellt haben, dass Twitter süchtiger macht als Zigaretten. Na super, seit 8 Monaten rauche ich nicht mehr aber dafür hab ich jetzt Twitter. Und les dort viel  zu oft völlig unsinnige/unnötige/uninteressante Meldungen. Aber zum Glück nicht nur. Es gibt ja auch Leute die was zu sagen haben. Oder zumindest unterhaltsam sind. Bestenfalls beides. Und auch auf das Buch, das möglicherweise meine Leseflaute beendet hat, bin ich via Twitter aufmerksam geworden.

So. Und nun die lange erwarteten Fotos von meinem Bücherregal. Eigentlich wollte ich mir ja ein Bücherregal anfertigen lassen, das genau in die Nische bei der Wand zur Küche hin passt. Das hätte mich allerdings ein kleines Vermögen gekostet, vor allem weil ich das in Vollholz haben wollte. Deshalb hab ich auch so lange herumüberlegt. Und letztendlich doch eine Lösung gewählt, die mich mal vorerst gar nichts gekostet hat, weil ich nämlich die vorhandenen Bücherregale aus der alten Wohnung verwendet habe, die schon ewig in meinem Besitz sind. Ein Freund mit ordentlich Muckis hat mir beim Transport geholfen und mein Bruder beim Aufbau. Eingeräumt habe ich die 752 Bücher dann ganz alleine.
Wirklich glücklich bin ich mit der Lösung allerdings nicht. Ich wusste eh schon vorher, dass es beschissen aussehen würde, vor allem die beiden kleinen Regale sind nicht optimal, aber ich habe halt verwendet, was da war. Im Sommer werde ich die Dinger auf jeden Fall wieder abbauen und die Seitenteile anders streichen, die dunkle Farbe gefällt mir nämlich gar nicht mehr und passt auch nicht recht in die Wohnung. Was mich besonders stört, ist, dass ich die Bücher wieder in Doppelreihen stellen muss, weil sie sonst nicht Platz haben. Das war ja der Hauptgrund, warum ich ein Regal über die ganze Wand haben wollte. Naja, immerhin sieht es aber besser aus als die gestapelten Bananenkartons vorher.

Work in progress:

vorher - nachher:

Das "Durcheinander-Regal": ganz oben die Bücher, die ich gerade lese oder lesen will, darunter alle Bücher, die ich demnächst loswerden möchte (via bookcrossing bzw. verkaufen/verschenken).

Wenn ich mal gut aufgelegt sein sollte, zeig ich euch vielleicht den Inhalt des großen Regals in Nahaufnahme. Aber nur die vorderen Reihen, die sind so halbwegs ordentlich sortiert.

Samstag, 11. Februar 2012

[Wien kulinarisch] Ristorante Sale e Pepe

Jedes Mal, wenn ich in der Pilgramgasse beim Ristorante Sale e Pepe vorbeigegangen bin, hat es dort so derart verführerisch nach italienischem Essen gerochen, dass ich kürzlich nicht länger widerstehen konnte und dort an einem Samstag nach dem Einkaufsbummel mit dem Liebsten ein etwas verspätetes Mittagsmenü eingenommen habe. Und es war gut so!
Hinter der eher unscheinbaren Glasfassade verbirgt sich ein familiär geführtes Lokal mit ausgezeichneter Küche, ein "echter" Italiener, wo die Eltern in der Küche stehen und der Sohn serviert. Das Lokal liegt zwar im Souterrain, die Preise aber leider nicht, jedoch passt die Qualität der Speisen und das ganze Drumherum. Das Mittagsmenü übrigens ist erschwinglich, war sehr köstlich und mehr als sättigend. Empfehlung!

Was uns gefallen hat:
erschwingliches 3-gängiges Mittagsmenü von Montag bis Samstag von 11:30 bis 15:00 Uhr (Vorspeise + 2 verschiedene Hauptspeisen zur Wahl + Nachspeise um € 6,60 oder € 6,90)
Pizzamenü um € 6,60 (Pizza + Vor- oder Nachspeise vom Menü)
angenehmes Ambiente mit unaufdringlicher italienischer Musik
(einzig der Flat-Screen stört mich persönlich, aber wenn man hinten um die Ecke sitzt, sieht man den eh nicht)
stylish-schlicht, aber trotzdem gemütlich und durch die karierten Tischdecken leicht rustikal
sehr freundliche und zuvorkommende Bedienung
Nichtraucherlokal!


Donnerstag, 9. Februar 2012

gebrauchte Bücher loswerden #6

Vor einiger Zeit schon habe ich einen ganzen Karton Bücher aussortiert. Viele davon habe ich bei bookcrossing registriert und mittlerweile in einem offenen Bücherschrank freigelassen. 
Die restlichen Bücher - so um die 30 Stück - wollte ich über eine Ankaufsplattform zu Geld machen. Diese Ankaufsplattformen sind offenbar sehr beliebt und müssen wohl auch ein einträgliches Geschäft bieten, denn es gibt sie mittlerweile zuhauf. Da muss man erst mal herausfinden, welche davon am brauchbarsten ist. (Überhaupt, wenn man in Österreich zuhause ist.)
Funktionieren tut die Sache relativ einfach: man tippt die ISBN des Buches das man verkaufen will ein und erhält umgehend eine Info, ob das Buch von der jeweiligen Plattform angekauft wird und wieviel dafür bezahlt wird. Meist gibt es eine Mindestankaufssumme oder eine Mindeststückzahl - das variiert, je nach Plattform. Die meisten Ankaufsplattformen kaufen außer Büchern auch noch CDs, DVDs und Spiele an. 
Die zu verkaufenden Teile kommen dann in einen Warenkorb und wenn man den Verkauf abgeschlossen hat, erhält man eine Bestätigung per E-Mail, bei manchen eine Packliste und bei manchen sogar einen Aufgabeschein, mit dem man das Paket dann ohne Portokosten versenden kann. Einige Tage später sollte man dann den Erlös aus dem Verkauf auf seinem Konto gutgeschrieben finden. Wenn alles klappt... (Dass nicht immer alles klappt, kann man diversen Erfahrungsberichten, die online zu finden sind, entnehmen, aber damit will ich mich mal vorerst gar nicht auseinandersetzen.)
Auf werzahltmehr.de kann man sich übrigens kostenlos die meistbietende Plattform (aus derzeit 28 verschiedenen Anbietern) ermitteln lassen. Das funktioniert via PC oder - noch praktischer - mit dem Smartphone, denn werzahltmehr.de bietet eine Gratis-App (für Android und iPhone) an, mit der man die Bücher mittels Barcode-Scanner erfassen kann. Ich bin davon absolut begeistert! 
Leider hat das Ding einen entscheidenden Nachteil, für den es aber gar nix kann: Es ist für mich als Österreicherin ziemlich nutzlos, denn die meisten Ankaufsplattformen sind in Deutschland ansässig und kaufen auch nur aus Deutschland an. In manchen Fällen wird auch aus dem Ausland (= Österreich, Schweiz) angekauft, jedoch wird das Porto nicht übernommen. Bei einigen erhält man wenigstens einen Versandkostenanteil, der aber leider für eine Auslandssendung viel zu gering ausfällt. Wenn ich nämlich vom ohnehin schon recht geringen Ankaufswert der Bücher auch noch die Versandkosten (die in Österreich leider exorbitant sind) abziehe, bleibt fast nix mehr übrig. Da kann ich die Bücher gleich behalten. Oder verschenken. Oder in den Offenen Bücherschrank stellen...
Somit bleibt die tolle App leider nur ein Spielzeug für mich, das zwar Spaß macht, mich gleichzeitig aber auch ein bissl frustriert, weil es mir tolle Preise anzeigt, die ich aber in Österreich für meine Bücher nicht kriegen kann.
Testbericht über die Ankaufsplattformen folgt!

Noch mehr zum Thema "Bücher tauschen oder verkaufen" findet ihr HIER.


Dienstag, 7. Februar 2012

[ich lese] Die Tante Jolesch

oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten
dtv, 1977 (OA 1975)

geschenkt bekommen
gibt's aber auch bei Amazon


Klappentext:
Friedrich Torberg ist einer der letzten, der aus eigener Erinnerung und gestützt auf Erzählungen älterer Freunde die Atmosphäre des ehemals habsburgischen Kulturkreises, die unwiederbringliche Welt des jüdischen Bürgertums und der Boheme in Österreich, Ungarn und Prag noch einmal so intensiv beschwören kann. Es war eine Welt der Originale und Sonderlinge, die - wie Torberg schreibt - in unserer technokratischen Konsumgesellschaft keinen Platz mehr hätten. Von manchen bekannten Namen ist die Rede, von Franz Molnár, Egon Erwin Kisch, Anton Kuh, Egon Friedell und Alfred Polgar. Aber mehr noch kommen die Unbekannten zu Wort: der zerstreute Religionslehrer Grün, der geistreiche Rechtsanwalt Sperber, der unhöfliche Wirt Neugröschl, der alte Kartenspieler Schwarz, die Redakteure des legendären "Prager Tagblatts", der rechthaberische Onkel Hahn und natürlich die Tante Jolesch, die den Lauf der Welt auf ihre Weise kommentiert und die so herrlich kochen konnte. Wie Torberg es bei aller "Heiterkeit", bei aller Pointierungslust versteht, mit wenigen lapidaren Hinweisen die Erinnerung an die grausame Vernichtung dieser einmaligen Kultur wachzuhalten, ohne dem Leser das Lachen zu vergällen, grenzt an ein Wunder. 

Warum ich dieses Buch lese:
Ich habe es in einer der Bücherkisten gefunden, die ich kürzlich übernommen habe, ein typisches MUML*-Buch. 

(*MUML = Mussich unbedingt mal lesen)

Sonntag, 5. Februar 2012

Ich hab's schon wieder getan...

...nämlich ungewollten Büchern ein Zuhause geschenkt. 
Aus einer Verlassenschaft im Bekanntenkreis sind ein paar Kisten Bücher übriggeblieben die niemand haben wollte. Am Freitag nachmittag habe ich mich mit meiner Freundin D. aufgemacht, die Bücher zu besichtigen und eine erste Auswahl zu treffen. Zwei Kisten voller Bücher durften gleich mal mitkommen, die restlichen Kisten werde ich demnächst abholen. Als ich die Sammlung nämlich gesehen habe, war klar, dass ich alle Bücher übernehmen werde. Fast alle sind in einem tadellosen Zustand, die meisten davon sind Liebesromane und ich habe sogar ein paar Schätzchen darunter entdeckt. Ein Großteil der Bücher wird also in meinem Regal einen Platz finden und die, die mich nicht interessieren, wandern in den Roten Kasten.
Hach, was war das für eine Freude, Kiste um Kiste durchzusehen, und so viele tolle Bücher zu finden! Die hier zum Beispiel, die für mich das ganz besondere Schätzchen darstellen:




Samstag, 4. Februar 2012

[Wien literarisch] Wortschatz Margareten - Update #6

Gestern abend gab es ein ganz schönes Gedränge beim Roten Kasten! Um acht Uhr abends habe ich mich mit der lieben E. dort verabredet, um zuerst ein paar Bücher einzustellen und dann auf einen Drink zu gehen.
Am Nachmittag hatte ich kurz Nachschau gehalten, ob denn wohl Platz sei im Kasten, denn ich habe ein paar Kisten voller Bücher aus einer Verlassenschaft übernommen, von denen ich viele behalten werde, aber ein Teil davon ist auch als "Kastenfutter" vorgesehen. Ich habe also gleich mal ein paar der Bücher in einen Sack gesteckt um sie noch am selben Abend loszuwerden.
Vergangenen Sonntag hat der Kasteninhalt ja besonders traurig ausgesehen, das hat sich bis gestern Nachmittag zwar ein bisschen geändert, aber es wäre auf jeden Fall noch genug Platz für neue alte Bücher gewesen. Am Abend jedoch haben dann innerhalb weniger Minuten gleich drei Leute Bücher gebracht, und den Kasten damit vollgefüllt. Ich hatte beinahe Mühe, meine Bücher noch unterzubringen!

Kasteninhalt, fotografiert am Sonntag, 29.01.2012:


Kasteninhalt, fotografiert am Freitag, 03.02.2012, nachmittags:


Kasteninhalt, fotografiert am Freitag, 03.02.2012, abends:

(aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse und der extremen Minusgrade, die meine Finger klamm werden ließen, ist das Foto leider ein bissi unscharf...)