Samstag, 28. November 2009

Kathryn Harvey: Stars

Roman 
Fischer, 2009, 480 Seiten
3 Sterne




Inhalt:
Es ist der Treffpunkt der Reichen und Schönen: das legendäre Luxushotel "Star's Haven" hoch in den Bergen von Palm Springs. Hier treffen drei Frauen aufeinander, deren Leben am Wendepunkt steht: Für einen Filmvertrag ist die Schauspielerin Carole bereit, ihre Liebe aufs Spiel zu setzen. Philippa, Leiterin des Starlite-Kosmetikkonzerns, erfährt, dass jemand sie um jeden Preis vernichten will. Die schöne Hotelchefin Beverly Burgess holen die Schatten der Vergangenheit ein. Welches Geheimnis verbindet die Frauen miteinander?
(Quelle: amazon)


Ich bin ein Fan von Barbara Wood und hab schon sehr viele ihrer Bücher gelesen. Wann immer ich zB. eine Urlaubslektüre brauche, ist Barbara Wood ein sicherer Griff - spannende Handlung, sympathische Charaktere, fesselnd geschrieben...
Leider bin ich von diesem Buch, das sie unter dem Namen Kathryn Harvey veröffentlicht hat, nicht ganz so begeistert, wie von ihren anderen Büchern. Die Handlung ist auch hier zugegebenermaßen spannend, obwohl sie es dann doch mit den vielen Personen übertrieben hat, die entweder ihre Identität gewechselt oder ihren Tod vorgetäuscht haben, oder beides. Die vielen Handlungsstränge, die letztlich zum Showdown im Luxushotel "Stars" zusammenlaufen, sind zwar verworren, aber noch einigermaßen gut nachzuverfolgen, jedoch geht den einzelnen Geschichten am Ende leider irgendwie die Luft aus, und das Finale ist ein bisschen lau.
Was aber wirklich störend ist, ist die (keineswegs) unterschwellige Botschaft, die hier transportiert wird: "Übergewichtige Frauen werden nicht ernst genommen, können nicht erfolgreich sein, müssen unglücklich sein." Das gibt dem Buch wirklich einen schalen Beigeschmack und deshalb gibts 2 Sterne Abzug.

Freitag, 20. November 2009

Charlotte Roche: Feuchtgebiete

Roman
Dumont, 2008, 220 Seiten
2.6 Sterne


Nun hab ich's also doch noch gelesen. Und ich hab einen ganzen Tag lang überlegt, wie ich es bewerten soll, oder ob ich überhaupt noch eine Rezension schreiben soll, wo es doch eh schon so viele gibt. Andererseits muss ich ja doch meinen Senf dazugeben und mich als Leser dieses Buches outen. Jedoch nicht als Käufer, ich hab's mir nur ausgeborgt, denn in letzter Zeit hab ich schon genug Geld für schlechte Bücher ausgegeben, da wollte ich diesmal nichts riskieren.
Warum 2.6 Sterne?
Einfach Begründung: es ist nicht gut, aber es ist auch nicht ganz schlecht.
Ich musste es wirklich hinterfragen und analysieren, um zu einem Schluß zu kommen, ob ich es nun gut finde, oder nicht. „Gefallen“ hat es mir definitiv nicht, obwohl ich zugegebenermaßen einige Male grinsen musste. Aber es ist zwischendurch ganz einfach zu ekelhaft, ich würde übrigens dringend empfehlen, dem Buch ein Speibsackerl beizupacken. Man muss schon echt einen guten Magen haben dafür. Nun bin ich ja wirklich nicht zimperlich, aber selbst mir wurde bei einigen Stellen übel.

Ausführliche Begründung: Was macht für mich einen guten Roman aus?
1. Eine spannende, interessante Handlung. Also die ist definitiv nicht da, es passiert ja nichts. Helen ist im Krankenhaus und kommt am Ende der Geschichte wieder raus. Punkt. Handlung: null Sterne.
2. Glaubwürdige Charaktere, seien sie nun sympathisch oder nicht. Sympathische Charaktere: nicht vorhanden. Extrem unsympathische Charaktere: Definitiv vorhanden. Helen würde ich nur mit Mundschutz und Latexhandschuhen gegenübertreten und keinesfalls irgendetwas essen oder trinken, was sie mir anbietet.
Wenn die Helden aber nun so böse oder unsympathisch sind, dann muss es dafür eine gute Begründung geben, die ist, naja eigentlich schon, vorhanden. Helen ist ein zutiefst gestörtes, traumatisiertes Mädchen, das sich gegen die Gesellschaft, ihre Schönheitsideale und ihren übermäßigen Hygienewahn und gegen das, was „man“ tut und was nicht, auflehnt, vor allem aber gegen ihre Mutter.
Sie kann einem leid tun, sie ist ganz offensichtlich einsam und allein, unverstanden und sehnt sich doch nur nach Liebe und Aufmerksamtkeit, und die versucht sie eben durch „Anderssein“ zu errreichen, durch Besonders-ekelhaft-Sein und durch selbstverletzendes Verhalten. 4 Sterne. (Ein Stern Abzug, weil die Geschichte mit der heimlichen Sterilisation nicht glaubhaft ist).
3. Der Held der Geschichte muss eine Entwicklung durchmachen. Tut Helen nicht. Null Sterne.
4. Die Erzählsprache muss passen. Helen ist zwar 18 Jahre alt, spricht aber wie ein Kind oder maximal wie eine Pubertierende. Passt aber trotzdem, weil Helen in ihrer Entwicklung ein wenig zurückgeblieben scheint. Sie kümmert sich ja offensichtlich um nichts ausser ihre div. Körperausscheidungen. Ach ja, und darum, ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenzubringen (ein kindlicher Wunsch), und um ihre Avocadokerne. Das ist wirklich nicht viel, passt aber zu einem psychotischen Charakter. 5 Sterne.
5. Der Erzählstil passt auch, besonders die zahlreichen Ekelpassagen sind so anschaulich beschrieben, dass man fast den Eindruck bekommt, Frau Roche hätte das alles selbst ausprobiert. 5 Sterne.
6. Das Ende der Geschichte muss einen Sinn ergeben, ein Aha-Erlebnis bieten, ein Lächeln hervorrufen, Betroffenheit oder Traurigkeit – je nachdem. Tut es aber hier nicht. Das Ende ist lasch, der finale Knall nur angedeutet, das Happy-End der Pseudo-Love-Story passt so gar nicht. Null Sterne.
7. Bei einem „normalen“ Unterhaltungsroman nicht erforderlich, jedoch unbedingt bei einem (reisserischen) Bestseller: der Autor muss mutig sein. Mutig, Dinge an- und auszusprechen, die sonst keiner ausspricht. Indem Frau Roche Dinge zu Papier bringt, die so oder so ähnlich ziemlich sicher fast alle hinter mehr oder weniger verschlossen Türen geschehen, über die aber niemand zu sprechen, geschweige denn zu schreiben wagt, zumindest nicht in solchem Ausmaß und in so geballter Form, hat sie diesen Punkt zumindest erfüllt. Allerdings nicht ganz perfekt, denn sie hat doch glatt einige Ausscheidungen/Absonderungen des menschlichen Körpers ausgelassen (die ich hier allerdings nicht aufzählen werde!) – aber vielleicht spart sie sich die ja für den nächsten Ekelroman. 4 Sterne.
Ergibt letztendlich: 18:7=2,6.

Dienstag, 17. November 2009

Robert Menasse: Don Juan de la Mancha oder die Erziehung der Lust

Roman
suhrkamp, 2009
273 Seiten
4 Sterne


Nach dem chilischarfen Auftakt hätte ich mir eigentlich eine ganz andere Geschichte erwartet, jedoch habe ich es keine Sekunde bereut, entgegen meiner mir zur Zeit selbst auferlegten Einschränkung, doch ausnahmsweise mal wieder ein Buch von einem Mann zu lesen.
Der Protagonist Nathan, Journalist Mitte 50, erzählt auf gleichzeitig tiefgründige und amüsante Weise, wie die Werbeindustrie sein Glück und die Frauenbewegung der 70er sein Sexleben zerstört haben. Er erzählt genauso nüchtern wie ironisch von seinem Vater, der in seiner Jugend durch Abwesenheit geglänzt hat und von seiner Mutter, mit der er aufgrund der beengten Verhältnisse in der Wohnung das Bett teilen musste. "Gemischte Liebe", eine Bezeichnung für die Romanhefte, die die Mutter so gerne las, trifft auch auf seine eigenen Romanzen herrlich zu.
Besonders köstlich die Szene mit dem Fruchtwasser-Bad, besonders eindringlich geschildert der kurze Ausflug nach Paris, besonders emotionslos, und gerade dadurch nahegehend, die Schilderung des Todes seiner Eltern, besonders abgefahren die Aussagen der ungarischen Astrologin. So könnte man noch weiter aufzählen - die ganze Geschichte ist einfach genial.
Ein Buch voller Wortwitz und Ironie, unterhaltsam und trotzdem tiefgründig, viele wirklich inhaltsvolle Sätze über das Leben und die Liebe, über die es sich lohnt, mal ein wenig nachzudenken.
Ich schwanke sehr zwischen 4 und 5 Sternen, allerdings fand ich das Ende nicht ganz befriedigend, und mir hat die Szene mit dem Rollentausch zum Schluß nicht ganz so gut gefallen, da scheint ihm irgendwie die Energie ausgegangen zu sein, deshalb also 4 Sterne.

Sonntag, 15. November 2009

Polly Adler: Nur Idioten sind glücklich

Short Stories
Amalthea, 2009
200 Seiten
1 Stern



Kurzbeschreibung (via amazon)
In den Stöckelschuhen der Heldinnen von Polly Adler möchte man unter keinen Umständen stecken. Ihnen dabei zuzusehen, wie es sie bei der Suche nach dem Glück immer wieder aus den selben kippt, ist so tragisch wie komisch.
In ihrem ersten Kurzgeschichten-Band zeigt die Kultautorin Polly Adler (alias "profil"-Journalistin Angelika Hager) ein schillerndes soziologisches Panoptikum: Da eröffnen Charity-Furien einen Streichelzoo für Obdachlose, weil sie die Einsamkeit ihrer Ehe nicht mehr ertragen können, Burn-out-Manager suchen das Elend anderer in Depressions-Gruppen, um von ihrem eigenen abzulenken und ansonsten knallharte Karriere-Frauen machen sich für ein bisschen Liebe sowas von zum Affen.
"Das Leben ist kein Ponyhof", seufzt eine von Polly Adlers Figuren - und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Meine Meinung:
Der neueste Erguss von Angelika Hager, deren wöchentliche Kolumne im Kurier ich einst mit Vergnügen gelesen habe, ist leider voll daneben gegangen. Ich quäle mich gerade durch die vierte Geschichte und weiß wirklich nicht, ob ich die gähnende Langeweile bis zum Schluss durchhalte. Schon nach der ersten "Short Story" war für mich fraglich, ob es denn wirklich noch schlechter geht.
Das Buch erweckt den Anschein, man habe sich gedacht: "Vor Weihnachten müss ma noch schnell a Büchl auf den Markt werfen. Frau Hager, schreibens irgendwas!".
Die "tragischen" Helden und Heldinnen sind fad bis uninteressant, die Geschichten ziehen sich bis zum wirklich bitteren, und in keinem einzigen Fall besonders einfallsreichen, Ende wie Kaugummi. Daneben ist Frau Hager so krampfhaft um einen originellen Stil bemüht, dass so mancher Satz grammatikalisch gehörig in die Hose gegangen ist.
Ein mieser Schreibstil, gepaart mit einem nachlässigen Lektorat ist eine ganz schlechte Mischung - in Geschichte Nummer 2 z.B. wimmelt es nur so von Fallfehlern, und dann behauptet Frau Adler/Hager auch noch glatt, Widder sei ein Erdzeichen. Das tut wirklich weh, da hätte sie doch bitte bei der Kollegin Wicho zur Sicherheit nachfragen können. Feuer, meine liebe, Feuer! Und genau das ist es auch, was den Geschichten gänzlich fehlt. Und ich meine jetzt nicht in Form eines offenen Kamins, in den man das Büchlein werfen kann. Obwohl, naja...

Freitag, 6. November 2009

Anouk S.: Der Gedanke

3 Erotische Erzählungen
Anais, 2009
1 Stern





Inhalt:
Stahl auf der Haut. Fräulein Wiesengrund platzt in den Raum, als Fräulein S. gerade ihre neue Sklavin quält, die achsoperfekte Toni. Eigentlich waren Fräulein Wiesengrund und Fräulein S. immer beste Freundinnen, aber jetzt ist eine Rivalität zwischen ihnen entbrannt. Fräulein Wiesengrund muss sich eingestehen, dass sie vielleicht ein paar falsche Lebensentscheidungen getroffen hat. Dann macht Fräulein S. ihr ein großes Geschenk.
Eine Reise für Marie. Marie steht kurz vor ihren mündlichen Prüfungen und Paul hat seine erste Stelle als Hauptschullehrer angetreten. Ihr Alltag ist recht vorhersehbar und wird vom Lern- und Arbeitsstress bestimmt. Aber gelegentlich gönnen sie sich einen "Abend zu zweit", ihr gemeinsames geheimes Ritual. Paul tut dabei alles, um Marie gepflegt zu dominieren.
Der Gedanke. Unter all den Gefangenen wählt der Herr sie aus, Sklavin Nummer 301, und nimmt sie mit sich in seine herrschaftliche Villa. Die Haushälterin ist aber nicht besonders erfreut darüber, dass eine zweite Frau in ihren Herrschaftsbereich eintritt. Der Herr tauft seine junge Sklavin auf den Namen Emma und verbietet ihr, das Haus zu verlassen, aber schon bald stellt sich heraus, dass das Herrschen nicht ganz so einfach ist.
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:
Ein ungewöhnliches Buch. Umfangreicher als der Durchschnitt, aber trotzdem kein dicker Wälzer. Drei Geschichten sind enthalten, allesamt zu kurz für einen Roman aber zu lange um als Kurzgeschichte durchzugehen. 
Beim Lesen bekommt man den Eindruck, die Frau weiß (aus persönlicher Erfahrung), wovon sie spricht, bzw. worüber sie schreibt. Das macht die Sache umso interessanter, weil ich schon bei vielen Büchern den Eindruck hatte, die Autoren schreiben nicht mit eigener Erfahrung im Hintergrund, sondern mit angelesenem (oder gar "angesehenem"?) Wissen. Gerade im Bereich von SM-Literatur kann das störend sein. 
So weit, so gut. Jetzt kommt die schlechte Nachricht und die Begründung, warum ich nur einen Stern vergebe. Der Erzählstil ist schuld daran, ich weiß nicht genau, wie ich ihn beschreiben soll, holprig vielleicht, gestelzt, gespreizt, gnadenlos bemüht, möglichst intellektuell zu klingen, um so vielleicht zu versuchen, SM aus der Schmuddelecke zu holen, in der es eh schon lange nicht mehr ist. Vielleicht ein persönliches Bedürfnis der Autorin. Das Buch wird dadurch jedoch lähmend und *schnarch* langweilig. 
Dachte ich bei der ersten Geschichte noch, es könnte sich hier um die passende Erzählsprache für die beiden gebildeten, gutsituierten Damen (die Hauptpersonen) handeln, die wohl auf die fünfzig zugehen und ein wenig distinguiert wirken, so passt es bei der zweiten Geschichte so rein gar nicht mehr zu den Personen. Paul und Marie sind ein dermaßen langweiliges Paar, da hilft auch ihre Neigung zu SM nichts mehr. Die bringt vielleicht einen Kick in ihr Liebesleben, aber nicht in die Geschichte, die ich vor lauter Langeweile gar nicht fertig gelesen habe. Also hab ich es mit der dritten, der kürzesten Geschichte versucht und mich durch diese gequält, um nach der letzten Seite endlich das Buch weglegen zu können und mich ins Bett zu schleppen - gääähn! 
Ich hab lange darüber nachgedacht, was diese furchtbare Langeweile ausmacht: in den Geschichten lebt einfach nichts, die Schreibweise ist absolut tot. Keine Spannung, keine Tiefe, keine Farbe. Die Autorin zählt ganz einfach nur auf, was die Leute so tun. Da gibt es in den Büchern für angehende Autoren den Rat, nein eigentlich das Muss für einen guten Erzählstil, der heißt, ganz kurz: "show, don't tell", also "zeigen, nicht erzählen" - und genau diesen einfachen Grundsatz hat die Autorin grundlegend missachtet. 
Vielleicht lernt sie's ja noch? Ich werde es wohl kaum erfahren, denn ein zweites Buch von ihr werde ich gewiss nicht kaufen.