Roman
Dumont, 2008, 220 Seiten
2.6 Sterne
Nun hab ich's also doch noch gelesen. Und ich hab einen ganzen Tag lang überlegt, wie ich es bewerten soll, oder ob ich überhaupt noch eine Rezension schreiben soll, wo es doch eh schon so viele gibt. Andererseits muss ich ja doch meinen Senf dazugeben und mich als Leser dieses Buches outen. Jedoch nicht als Käufer, ich hab's mir nur ausgeborgt, denn in letzter Zeit hab ich schon genug Geld für schlechte Bücher ausgegeben, da wollte ich diesmal nichts riskieren.
Warum 2.6 Sterne?
Einfach Begründung: es ist nicht gut, aber es ist auch nicht ganz schlecht.
Ich musste es wirklich hinterfragen und analysieren, um zu einem Schluß zu kommen, ob ich es nun gut finde, oder nicht. „Gefallen“ hat es mir definitiv nicht, obwohl ich zugegebenermaßen einige Male grinsen musste. Aber es ist zwischendurch ganz einfach zu ekelhaft, ich würde übrigens dringend empfehlen, dem Buch ein Speibsackerl beizupacken. Man muss schon echt einen guten Magen haben dafür. Nun bin ich ja wirklich nicht zimperlich, aber selbst mir wurde bei einigen Stellen übel.
Ausführliche Begründung: Was macht für mich einen guten Roman aus?
1. Eine spannende, interessante Handlung. Also die ist definitiv nicht da, es passiert ja nichts. Helen ist im Krankenhaus und kommt am Ende der Geschichte wieder raus. Punkt. Handlung: null Sterne.
2. Glaubwürdige Charaktere, seien sie nun sympathisch oder nicht. Sympathische Charaktere: nicht vorhanden. Extrem unsympathische Charaktere: Definitiv vorhanden. Helen würde ich nur mit Mundschutz und Latexhandschuhen gegenübertreten und keinesfalls irgendetwas essen oder trinken, was sie mir anbietet.
Wenn die Helden aber nun so böse oder unsympathisch sind, dann muss es dafür eine gute Begründung geben, die ist, naja eigentlich schon, vorhanden. Helen ist ein zutiefst gestörtes, traumatisiertes Mädchen, das sich gegen die Gesellschaft, ihre Schönheitsideale und ihren übermäßigen Hygienewahn und gegen das, was „man“ tut und was nicht, auflehnt, vor allem aber gegen ihre Mutter.
Sie kann einem leid tun, sie ist ganz offensichtlich einsam und allein, unverstanden und sehnt sich doch nur nach Liebe und Aufmerksamtkeit, und die versucht sie eben durch „Anderssein“ zu errreichen, durch Besonders-ekelhaft-Sein und durch selbstverletzendes Verhalten. 4 Sterne. (Ein Stern Abzug, weil die Geschichte mit der heimlichen Sterilisation nicht glaubhaft ist).
3. Der Held der Geschichte muss eine Entwicklung durchmachen. Tut Helen nicht. Null Sterne.
4. Die Erzählsprache muss passen. Helen ist zwar 18 Jahre alt, spricht aber wie ein Kind oder maximal wie eine Pubertierende. Passt aber trotzdem, weil Helen in ihrer Entwicklung ein wenig zurückgeblieben scheint. Sie kümmert sich ja offensichtlich um nichts ausser ihre div. Körperausscheidungen. Ach ja, und darum, ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenzubringen (ein kindlicher Wunsch), und um ihre Avocadokerne. Das ist wirklich nicht viel, passt aber zu einem psychotischen Charakter. 5 Sterne.
5. Der Erzählstil passt auch, besonders die zahlreichen Ekelpassagen sind so anschaulich beschrieben, dass man fast den Eindruck bekommt, Frau Roche hätte das alles selbst ausprobiert. 5 Sterne.
6. Das Ende der Geschichte muss einen Sinn ergeben, ein Aha-Erlebnis bieten, ein Lächeln hervorrufen, Betroffenheit oder Traurigkeit – je nachdem. Tut es aber hier nicht. Das Ende ist lasch, der finale Knall nur angedeutet, das Happy-End der Pseudo-Love-Story passt so gar nicht. Null Sterne.
7. Bei einem „normalen“ Unterhaltungsroman nicht erforderlich, jedoch unbedingt bei einem (reisserischen) Bestseller: der Autor muss mutig sein. Mutig, Dinge an- und auszusprechen, die sonst keiner ausspricht. Indem Frau Roche Dinge zu Papier bringt, die so oder so ähnlich ziemlich sicher fast alle hinter mehr oder weniger verschlossen Türen geschehen, über die aber niemand zu sprechen, geschweige denn zu schreiben wagt, zumindest nicht in solchem Ausmaß und in so geballter Form, hat sie diesen Punkt zumindest erfüllt. Allerdings nicht ganz perfekt, denn sie hat doch glatt einige Ausscheidungen/Absonderungen des menschlichen Körpers ausgelassen (die ich hier allerdings nicht aufzählen werde!) – aber vielleicht spart sie sich die ja für den nächsten Ekelroman. 4 Sterne.
Ergibt letztendlich: 18:7=2,6.