Freitag, 22. Mai 2009

Helena Ravenscroft: Dominique

Erotischer Roman
Wunderlich, 2003
3,5 Sterne




Inhalt (via amazon):
Die eher schüchterne Carrie hätte nie gedacht, dass sie eines Tages vor dem Computer sitzen würde, um als Dominique heißen Online-Sex mit fremden Männern zu haben. Einer von ihnen ist der wortgewandte Internet-Cowoboy Sam. Als aber auch im realen Leben mit Max ein Mann auftaucht, der Carrie nie geahnte Lust schenkt, und Sam sie unbedingt treffen möchte, muss Carrie/Dominique ihrer beiden Leben vereinen. Doch anstatt einem der beiden einen Laufpass zu geben, legt sie sich noch einen dritten Mann zu...

Meine Meinung:
Kann man lesen, regt zuweilen auch an. Die Geschichte hat bloß einen Haken, es wird zwar behauptet, dass Carrie eine langweilige, schüchterne, unsichere Frau ist - das nimmt man ihr aber nicht ab, denn sie ist viel zu schnell und viel zu sehr Dominique, die "Sexgöttin". Diese hat es aber in sich und das kommt gut rüber. 
Die erotischen Szenen sind toll geschrieben - gutes Erzählhandwerk. Gut und gerne verzichten können hätte die Autorin jedoch auf die Szene mit dem Bruder und die mit Mrs. Grey, sie sind unpassend und unnötig. 
Ein wenig seltsam mutet auch die Übersetzung an, einige Wortschöpfungen findet man ganz sicher in keinem Wörterbuch, etwa die Begriffe Prengel, Fose und Gelöck (wie bitte?) 
Wenn man aber über all das hinwegsieht, hat man hier einen wirklich ganz netten erotischen Roman.

Samstag, 16. Mai 2009

Jenny Diski: Küsse und Schläge

Roman
Klett-Cotta, 1989
263 Seiten
4 Sterne




Die Autorin erzählt die Geschichte von Rachel, die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist, unfähig, eine eigene intakte Familie zu gründen, was sie aber ohnehin strikt ablehnt. Im Gegensatz zu ihrer Freundin Becky glaubt sie nicht an Romantik und ewige Liebe, und es fällt ihr schwer, Menschen nahe an sich heranzulassen. Männer werden meist nach einer Nacht, oder spätestens, sobald so etwas wie eine Beziehung beginnt, abserviert. Dann trifft sie auf Joshua, mit dem sie sich in eine sadomasochistische Beziehung verstrikt. Joshua kommt wann er will und läßt dazwischen schon mal mehrere Monate nichts von sich hören. Ihm geht es ausschließlich um Sex und Rachel findet das Arrangement anfangs optimal, wird aber zusehends abhängiger von ihm. Daneben passieren noch andere Dinge in Rachels Leben, doch ihr wird zunehmend alles egal, selbst ihre eigene kleine Tochter... 
Jenny Diski hat hier ein anspruchsvolles psychologisches Porträt einer Frau verfasst, das mich in seinen Bann gezogen hat. Obwohl das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat und auch leider vergriffen ist, kann ich es empfehlen. 

Dienstag, 12. Mai 2009

Uschi Obermaier: High Times - Mein wildes Leben

Biografie
Heyne, 2008
304 Seiten

Inhaltsangabe:
Sie war die weibliche Ikone der 68er-Bewegung, dazu Model, Muse, Groupie, Lebenshungrige. Das Bett teilte sie mit Mick Jagger und Keith Richards, kaum eine Droge hat sie ausgelassen -- sie stand für die neue, freizügige Weiblichkeit, die alles konnte und alles machte.
In High Times schildert Uschi Obermaier in authentischem Erzählton Episoden aus ihrem wilden Leben. Grundlage sind 50 Stunden Interview mit dem Journalisten und Drehbuchautor Olaf Kraemer aus dem Jahr 1992. Das Material lag dann fast 15 Jahre auf Eis, weil es sowohl ihr selbst als auch zahlreichen deutschen Verlagen zu drastisch erschien. Nun hat sie es doch publiziert, in ihrem ganz eigenen Sound, der perfekt zu dem rasanten Leben passt, das jahrzehntelang wie ein Roadmovie im Zeitraffer ablief.
(via amazon)


Noch nie habe ich ein derart schlechtes Buch gelesen, ein Stern ist hierfür noch zu viel! Frau Obermaier war mir ein Begriff, und da ich der (irrigen) Meinung war, sie hätte ein interessantes Leben geführt, habe ich mir dieses Buch gekauft. 
Zugegeben, sie war eine wunderschöne Frau, und wie uns die Medien glauben machen, ist sie dies auch heute noch. Aber: Schönheit ist dann wohl doch nicht alles. 
Das kann ja wohl nicht alles gewesen sein, habe ich mir beim Lesen immer wieder gedacht, die müsste doch was zu erzählen haben, die vielen interessanten Leute (Männer), die sie kennengelernt hat, die aufregenden Reisen in einem Bus durch Asien und durch Amerika, das alles müsste doch genug faszinierenden Lesestoff abgeben. Von diesen Dingen erfährt man aber nichts, und ich habe den Eindruck bekommen, dass Frau Obermaier entweder die wirklich interessanten Dinge verschweigt, oder aber diese ignoriert, verdrängt, vergessen oder tatsächlich nicht mitgekriegt hat, um sich ihre unbeschwerte Oberflächlichkeit zu erhalten. 
Was das Buch allerdings erzählt ist die traurige Geschichte von einer schönen, aber hohlen Person, die etwas erleben will, dann aber ihr ganzes Leben vor lauter Drogenräuschen nicht mitkriegt. Von einem armen dummen Mädchen, das ständig auf der Suche nach ihrem Papi ist, und es offensichtlich normal findet, wenn ihr zwielichtiger Liebhaber ihr eine nach der anderen scheuert. Von einer, die glaubt, wenn sie ein paarmal mit einem Star ins Bett geht, sei das schon eine Beziehung. Von einer überheblichen, selbstverliebten Frau, die anderen gegenüber jeglichen Respekt vermissen lässt und die der lebende Beweis dafür ist, dass Drogen blöd machen. Von einer, die alles hätte haben können, letztendlich aber bei einem Kerl im Drogen- und Zuhältermilieu gelandet ist. Und das war jetzt das tolle "wilde Leben"? Na, danke. 
Stilistisch ist das Buch eine Katastrophe, ein "Runterrattern" von langweiligen Ereignissen, in einer primitiv-dümmlich-derben Sprache geschrieben, die aber anscheinend der O-Ton der Obermaier ist. Also von einer sogenannten "Ikone" und ihren Memoiren hätte ich mir wirklich mehr erwartet. 
Einziger Pluspunkt sind die wirklich netten Fotos.