Roman, 1986
Haymon-Verlag, 2009
140 Seiten
4 Sterne
4 Sterne
Zuerst mal war ich über die Beschaffenheit des Buches selbst erfreut: die aufwändige Verarbeitung - qualitativ hochwertiger Einband und abgerundete Ecken! - macht Lust aufs Lesen.
Das vorliegende Buch hat bereits bei seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1986 polarisiert. Sowohl die Leserschaft als auch die Kritiker haben es entweder geliebt oder verrissen.
Anita Pichler, früh verstorbene Südtiroler Autorin, erzählt die Geschichte einer Frau, die wie die "Haga Zussa", eine Gestalt aus der Sagenwelt, eine Grenzgängerin ist, übersetzt als "die Zaunreiterin" - eine, die mit einem Fuß drinnen und mit einem Fuß draussen ist, in dieser und in jener Welt.
Wer eine linear erzählte Geschichte mit durchgängiger Handlung erwartet, wird enttäuscht, es ist kein einfach zu lesendes Buch, stattdessen erwartet Einen sprachlich und inhaltlich anspruchsvolle Literatur.
In der Eingangsszene stellt die Ich-Erzählerin fest, dass der Schlüssel zu ihrer Wohnung nicht mehr sperrt. Sie ist ausgeschlossen, und überlegt, wo sie unterkommen kann. Eventuell bei einem der Leute, die sie tagsüber besucht hat, im Rahmen ihrer Arbeit - sie trägt geheimnisvolle Fragebögen aus, die einer nicht genannten Institution (oder einem Unternehmen) Aufschluß über die Vorlieben der Menschen geben sollen. Worum es in den Fragenbögen geht, bleibt ebenso rätselhaft wie die Protagonistin und ihre Geschichte selbst. In Rückblenden/Erinnerungen zieht sie Kreise, die immer enger werden, um ihre Vergangenheit, die sie offenbar versucht hat zu verdrängen.
Die Geschichte wird immer rätselhafter, je weiter man sich in sie hineinbegibt - es gibt jedoch keine Auflösung, alles bleibt offen...
